Es gibt Momente, die dich als Trainerin neu definieren. Meiner kam in Form einer unbequemen Frage.
Berlin. Seminarraum. Ich erkläre gerade die Begriffe “weiße” und “schwarze Rhetorik” – ein Modell, das ich seit Jahren nutze. Vertraut, etabliert, oft gehört.
Dann hebt eine Teilnehmerin die Hand:
„Ich finde diese Begriffe problematisch. Die klingen rassistisch.“
Stille.
Und dann die Entscheidung:
Rechtfertigen – oder zuhören?

Was beschreibt schwarze Rhetorik?
Das Begriffspaar ,,weiße” und ,,schwarze” Rhetorik wird oft unter Kommunikationstrainer:innen verwendet, um zwei gegensätzliche Herangehensweisen an die Kommunikation zu beschreiben. Weiße Rhetorik steht für den rationalen Austausch und fairen Diskurs, in dem Beteiligte nach der besten Lösung für alle gemeinsam auf Augenhöhe suchen. Schwarze Rhetorik hingegen ist eine manipulative Herangehensweise, die darauf ausgelegt ist, das Gegenüber durch rhetorische List und Fallen dazu zu bewegen, einen Nachteil für sich selbst in Kauf nehmen zu lassen. Ein prominenter Nutzer des Modells ist übrigens Arthur Schopenhauer, sein Buch dazu findest du hier.
Wenn du nun – wie ich im Seminar – damit konfrontiert wirst, dass die Begriffe, die du verwendest plötzlich als diskriminierend und veraltet wahrgenommen werden, dann hast du zwei Möglichkeiten:
Option 1: Dich rechtfertigen. „Das ist ein Fachbegriff.” „So ist das nicht gemeint.” „Das hat nichts damit zu tun.”
Option 2: Zuhören.
Ich habe Option 2 gewählt.
Doch warum nicht mehr schwarze Rhetorik?
Schwarz und weiß sind eben nicht beliebige Worte. Schwarz und weiß ist eine Abstraktion veralteter rassistischer Muster, die die Moral an sich in schlecht (schwarz) und gut (weiß), also in zwei gegensätzliche, unversöhnliche Kategorien unterteilt. So eben auch im oben genannten Beispiel, weiße Rhetorik ist rational, schwarze Rhetorik ist listig. Doch nur weil diese Muster weiterhin in der Gesellschaft gängig sind, heißt es nicht, dass ich sie reproduzieren sollte.
Und ich? Hatte es so übernommen. Fachlich. Gewohnheitsmäßig. Ohne es zu hinterfragen.
Bis zu diesem Moment.
Ich habe mich nicht gerechtfertigt. Ich habe zugehört. Und begriffen: Wenn meine Sprache – und ein Begriff wie “schwarze Rhetorik” – den Inhalt überlagert, wenn sie, statt zu öffnen, ausschließt, dann muss ich etwas ändern. Nicht aus Vorsicht. Sondern aus Verantwortung.
Seitdem nutze ich andere Begriffe. Für dasselbe Konzept, aber mit anderer Haltung. Ich will nicht, dass sich meine Teilnehmer:innen an Sprache stoßen, sondern dass sie durch sie weiterdenken können. Einen ausführlichen und ausgewogenen Artikel dazu findest du übrigens bei der Gesellschaft für deutsche Sprache.
Ich selbst kenne Rückmeldungen, die alles verändern, auch aus dem Debattieren: Echtes Feedback kann weh tun. Gerade wenn es am Ego kratzt. Aber genau da liegt der Hebel: Wenn ich nur Feedback annehme, das bequem ist, werde ich nicht besser. Ich bleibe nur stehen.
Meine Frage an dich: Wie reagierst du, wenn dich jemand vor anderen auf einen blinden Fleck hinweist? Abwehr oder Offenheit?
Du willst selbstkritische und zeitgemäße Seminare mit Haltung? Dann sprich mich an.




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