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Jom Kippur: Das jüdische Versöhnungsfest

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Jom Kippur: Das jüdische Versöhnungsfest

Heute beginnt Jom Kippur. Das Versöhnungsfest ist für gläubige Juden das, was für gläubige Christen Ostern ist: der höchste Feiertag des Jahres. In diesem Artikel erfahrt ihr, was es mit Jom Kippur auf sich hat und wie der Feiertag begangen wird. Außerdem geben wir euch hilfreiche Lilit-Tipps für das interkulturelle Miteinander: So navigiert ihr auch an diesem Tag gekonnt durch das jüdisch geprägte Leben, ob auf Geschäftsreise in Israel oder mit jüdischen Freunden.

Religiöses Brauchtum zu Jom Kippur

Jom Kippur wird als strenger Ruhe- und Fastentag begangen und ist geprägt von Sühne und Reue: Er gilt im Judentum als der Tag, an dem Gott die Menschen von ihren Sünden des vergangenen Jahres befreit. Nach der Lehre des Talmud werden die Sünden gegen andere Menschen nur vergeben, wenn die geschädigte Person zuvor um Verzeihung gebeten wurde. Daher ist es ein weit verbreiteter Brauch, in den Tagen vor dem Versöhnungsfest alle offen gebliebenen Konflikte mit Freunden, Kollegen oder Familienmitgliedern beizulegen.

Der Besuch in der Synagoge gehört für viele zu Jom Kippur

Der Versöhnungstag wird im jüdischen Kalender am 10. Tag des Monats Tischri begangen und fällt somit jedes Jahr auf einen anderen Tag im September oder Oktober. Das Fest beginnt abends vor Sonnenuntergang und dauert 25 Stunden, bis zum Sonnenuntergang des nächsten Tages. In dieser Zeit werden keinerlei Arbeiten ausgeführt und es wird streng gefastet. Daher wünscht man sich kurz vor Jom Kippur auf Hebräisch “Tzom kal” (“leichtes Fasten”). Außerdem betet man und besucht die Synagoge. Sogar unter säkularen Juden gehört an diesem Tag häufig ein Gang zur Synagoge dazu.

Streng religiöse Juden tragen am Versöhnungstag weiße Kleidung als Symbol für die spirituelle Reinigung. In früheren Zeiten wurden die Sünden der Gemeinschaft zusätzlich symbolisch auf einen ausgelosten Schafbock (den sog. “Sündenbock”) übertragen und dieser anschließend in die Wüste zum Dämon Asasel geschickt, um so die Sünden zu sühnen.

Zeit der Umkehr

Äpfel & Honig zum Neujahrsfest

Zusammen mit dem jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana bildet Jom Kippur die traditionellen Hohen Feiertage des jüdischen Glaubens. Rosch Haschana leitet die Zeit der Reue und Umkehr ein und findet 10 Tage vor Jom Kippur statt; dieses Jahr war es am 20. September soweit. Dabei wird im Familien- und Freundeskreis ein fröhliches Fest gefeiert. Man isst Äpfel mit Honig, damit das neue Jahr süß anfangen möge und wünscht sich gegenseitig “Schana towa umetuka” (“Ein süßes Jahr”) oder auch “Leschana towa tikatewu!”. Das bedeutet “Möget ihr eingeschrieben werden (ins Buch des Lebens) für ein gutes Jahr!”. Dahinter steckt der jüdische Glaube, dass Gott in drei Büchern über das Verhalten der Menschen urteilt und sein Urteil und ihr Schicksal für das nächste Jahr an Jom Kippur besiegelt. Deshalb ist die Zeit zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur als “letzte Chance” zur Umkehr besonders wichtig. Daraus ergibt sich auch der traditionelle Jom-Kippur-Gruß: “Chatima towa” (“Gute Besiegelung”).

Der Feiertag heute in Israel

Leere Straßen in Kazan, Israel.

Jom Kippur wird heute von beinahe allen jüdischen Isrealis, auch den nicht religiösen, in mehr oder minder strenger Form eingehalten. An diesem Tag steht das ganze Land still: So fahren an diesem Tag in Israel nahezu keine Autos, Busse oder Bahnen, außer in Notfällen. Unter säkularen jugendlichen Israelis hat es sich heutzutage eingebürgert auf den leeren Straßen mit dem Fahrrad oder Inlineskates zu fahren. Alle Grenzübergänge (sogar Flughäfen) sind geschlossen, wie auch Cafés und Restaurants – abgesehen von den arabischen. Es gilt als sehr unhöflich, an diesem Feiertag in der Öffentlichkeit zu essen oder Musik zu hören. Sowohl TV- als auch Radioprogramme strahlen lediglich ein “stilles” Programm aus, bei dem nur im Notfall Mitteilungen gesendet werden. Dies war eine Lehre aus dem Jom-Kippur-Krieg im Oktober 1973, als Syrien und Ägypten die völlige Lähmung und Verwundbarkeit Israels an diesem Tag nutzten, um das Land militärisch anzugreifen. Um einen solchen Moment der Schwäche in Zukunft unmöglich zu machen, wird die militärische Einsatzfähigkeit Israels heute auch am Versöhnungstag aufrechterhalten.

Lilit-Tipps zu Jom Kippur

Wir haben für euch die sechs wichtigsten Lilit-Tipps gesammelt, mit denen ihr interkulturelle Souveränität bewahrt. So bleiben euch euch “Fettnäpfchen-Momente” und unnötiger Ärger an Jom Kippur erspart:

  1. Mit einem freundlichen “Chag sameach!” (hebräisch für “Frohes Fest”) wird höflicher Respekt vor dem Glauben des Gegenübers gezeigt. Dies gilt sowohl in Israel als auch gegenüber jüdischen Bekannten und Kollegen in Deutschland. Der allgemeine Gruß kann übrigens an allen jüdischen Feiertagen verwendet werden. Zur Aussprache: Das ch wird hart ausgesprochen, wie in „doch“. Bei „sameach“ liegt die Betonung auf dem e.
  2. Formulierungen wie “Fröhliches/Happy Yom Kippur” sollten vermieden werden, da sie der Ernsthaftigkeit des Feiertages entgegenstehen.
  3. Vor Beginn des Festtages wünscht man sich auch “Tzom kal” (“leichtes Fasten”)
  4. Nicht vergessen: Am Tag des Versöhnungsfestes sollte in der Öffentlichkeit weder gegessen, getrunken noch Musik gehört werden, um nicht respektlos zu wirken. Ihr solltet sogar vermeiden, eure Mitmenschen mit Gerüchen vom Kochen oder Essen zu stören, die aus der eigenen Wohnung dringen.
  5. Falls ein Aufenthalt in Israel geplant ist, erspart es viel Ärger, wenn der völlige Stillstand des öffentlichen Lebens an Jom Kippur schon bei der Planung berücksichtigt wird.
  6. Habt ihr euch schon länger um eine Entschuldigung bei jüdischen Kollegen oder Freunden gedrückt? Zu Jom Kippur ist der angemessene Zeitpunkt dafür.

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Quelle Titelbild:
Flickr: Government Press Office (CC-Lizenz)

By |2018-02-15T00:43:25+00:00September 29th, 2017|Categories: Blog (Deutsch), Interkulturell, Israel|0 Comments

About the Author:

Marietta Gädeke M.A. ist Expertin für Kommunikation und Training. Sie studierte Anglistik, Publizistik und BWL an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz & Dijon, Frankreich. 2003 fand sie zu ihrer Leidenschaft, dem Debattieren. Zu ihren Erfolgen gehören der Sieg bei den Deutschen Debattiermeisterschaften und der zweimalige Einzug ins Viertelfinale der Weltmeisterschaften. Sie ist seit 2008 selbständig und hat sich mit ihrem Unternehmen Lilit auf strategische Empathie spezialisiert. Im Jahr 2015/16 wurde sie vom Bundeswirtschaftsministerium als Vorbildunternehmerin ausgezeichnet.

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