#btw17 | Wahlkampf auf Instagram: Storytelling mit Bildern

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#btw17 | Wahlkampf auf Instagram: Storytelling mit Bildern

Instagram – das ist die Plattform für visuell ansprechende Darstellungen. Die Nutzer posten mit Filtern verschönerte Fotos oder Videos, die an ihre Abonnenten ausgespielt werden. Image, Ästhetik und Stil spielen hier eine Rolle, harte Informationen und Fakten weniger. Ist Instagram dann überhaupt ein relevanter Ort für Parteien? Und ob!

Ähnlich wie Snapchat ist auch Instagram ein Medium, das vor allem bei jungen Menschen beliebt ist. Hier teilen sie schöne, lustige oder bewegende Inhalte mit Freunden und Gleichgesinnten. Eine gute Möglichkeit für Parteien, die Nutzer in einem ungezwungenen Umfeld abzuholen, Nähe zu vermitteln und Einfallsreichtum zu beweisen.

Aber wie kreativ werden die Parteien auf Instagram?

 

Ansprechende Bilder, bewegende Geschichten – die SPD auf Instagram

Ein Bild, das die SPD auf Instagram gepostet hat: Ein Schwarz-Weiß-Bild von einer Familie.

Screenshot: @spdde auf Instagram

Schöne, lustige und überraschende Bilder, Momentaufnahmen aus dem Alltag der Partei und seiner Protagonisten – die SPD hat verstanden, worauf es bei Instagram ankommt. Ihre Bilder sind ansprechend, haben aber dennoch einen Bezug zu Partei und Politik.

Die Sozialdemokraten setzen auf Storytelling: Viele der Bilder erzählen eine Geschichte. Zum Beispiel von neuen SPD-Mitgliedern und ihren Beweggründen, in die Partei einzutreten, oder aus Kanzlerkandidat Martin Schulz‘ Vergangenheit. Dementsprechend variieren auch die Texte unter den Bildern: Von relativ langen Texten bis hin zu wenigen Worten – auf Instagram geht beides.

Meist überzeugend: Die Unionsparteien

Auch die CDU postet Eindrücke aus dem politischen Alltag der Partei und zeigt dabei ebenfalls bewegende und besondere Momente – etwa wenn die Kanzlerin sich in das Kondolenzbuch für Helmut Kohl einträgt, Barack Obama trifft oder ein Bild mit der Fußballnationalmannschaft macht.

Ein Bild, das die CDU auf Instagram gepostet hat: Ein Selfie von Kanzlerin Merkel mit Fußballspieler Lukas Podolski.

Screenshot: @cdu auf Instagram

Die Aufzählung zeigt es schon: Meistens geht es um Angela Merkel. Die Bilder zeigen überwiegend die Kanzlerin oder das Spitzenpersonal der Partei, wohingegen bei der SPD auch häufiger “normale” Abgeordnete und Mitglieder zu sehen sind.

Die Bilder, die die CDU postet, sind zudem häufig ähnlich: Merkel trifft diese Person, Merkel spricht mit jener Person. Auf der einen Seite ist das gut: Es ist ein einheitlicher Stil erkennbar. Auf der anderen Seite ist das aber auch wenig abwechslungsreich.

Anders aufgemacht ist das Instagram-Profil der Schwesterpartei der CDU. Auch bei der CSU finden sich ansprechende Bilder, etwa Landschaftsaufnahmen. Dazwischen posten die Christsozialen jedoch auch oft Grafiken, Bilder mit eingebundenem Text oder Videos, die eher nach Snapchat aussehen – Inhalte also, die nicht wirklich dem Stil von Instagram entsprechen. Häufig wirkt es auch so, als ob auf Facebook gepostete Bilder wiederverwendet wurden. Hier wäre es besser, die Inhalte noch mehr auf das Format von Instagram zuzuschneiden.

Was die CSU grundsätzlich aber gut macht: Sie setzt ihre Strategie von anderen sozialen Netzwerken hier fort, postet schöne Landschaftsfotos und betont damit ihren Charakter als Bayernpartei.

Verbesserungsbedarf bei den Kleinen und Negativbeispiel AfD

Wo die großen Parteien schon ganz gut sind, da sind die Kleineren noch hinterher: Grüne, FDP und Linke setzen auf Instagram überwiegend auf Bilder und Grafiken, die mit Text beschriftet sind. Wie auch bei der CSU gilt hier: Zu viel Information, zu wenig Ästhetik – die Inhalte passen nicht zum typischen Instagram-Stil. Besser wäre: Weniger Wahlprogramm, weniger harte Fakten, mehr „softe Inhalte“.

Das Instagramprofil der AfD

Screenshot: @afd.bund auf Instagram

Noch abschreckender ist das Profil der Alternative für Deutschland. Sie postet ausschließlich Inhalte, die aus einem Foto im Hintergrund, Text und dem AfD-Logo bestehen. Die Bilder sind zu informationsbasiert für Instagram, zudem werden sie mit den verschiedenen Elementen überfrachtet – ästhetisch wirkt das nicht.

Die polarisierende Strategie, die sie auf Facebook verfolgt, setzt die AfD auf Instagram fort. So werden etwa Politiker anderer Parteien gezielt diskreditiert. Auch dieses provokative Vorgehen entspricht nicht dem Stil der Plattform der schönen Bilder. Alles in Allem erweckt das Profil der AfD den Anschein, dass sie die Bilder, die sie auf Facebook postet, hier einfach unverändert wiederverwendet.

Von #tbt bis #btw17: Hashtags auf Instagram

Hashtags spielen auch auf Instagram eine Rolle. Grundsätzlich werden sie ähnlich genutzt wie auf Twitter: Durch die Hashtags werden Bilder in einen thematischen Kontext gestellt und können leichter aufgefunden werden. Zudem haben sich besondere Formate entwickelt, wie der #throwbackthursday (#tbt), an dem Nutzer alte Bilder posten und sich damit an etwas zurückerinnern. Auch SPD und CDU posten unter dem Hashtag #throwbackthursday und passen sich damit an den Stil junger Instagrammer an.

Insgesamt setzen fast alle Parteien aber vor allem auf ihre eigenen selbstkreierten Hashtags sowie auf thematische Hashtags wie #btw17 zur Bundestagswahl. Auffällig ist allerdings, dass die Linke und auch die AfD Hashtags bislang äußerst sparsam einsetzen. Sie verzichten damit auf eine wichtige Funktion von Instagram.

Die Stories-Funktion

Ein Mann im Anzug mit einem landwirtschaftlichen Gerät in den Weinbergen. Auf dem Bild steht in gelber Schrift auf pinkem Hitnergrund

Screenshot: @fdp auf Instagram

Seit einiger Zeit hat Instagram eine Stories-Funktion. Ähnlich wie bei Snapchat können hier Fotos und kurze Videos hochgeladen, mit Filtern, Stickern und Schrift versehen, und zu einer Story zusammengefügt werden. Nach 24 Stunden wird die Story automatisch gelöscht.
Die Parteien nutzen diese Funktion bisher eher zögerlich. Aktiv sind hier vor allem diejenigen Parteien, die auch Snapchat nutzen.

CDU und CSU posten vergleichsweise häufig Stories und können hier meistens überzeugen: Sie passen sich an das Format an und nutzen die typischen Stilmittel, etwa Sticker oder die “Boomerang”-Funktion. Eher negativ aufgefallen ist allerdings die CSU-Story zum Bürgerfest im Olympiapark – hier war deutlich zu erkennen, dass es sich um ein professionelles Video handelte, das nicht auf und für Instagram entstanden war. Zu sehen war das etwa am Querformat.

Auch die Freie Demokraten machen Gebrauch von der Stories-Funktion. Diese nutzen sie beispielsweise für einen Instatakeover – ein Instagram-typisches Format, bei dem eine Person den Account eine gewisse festgelegte Zeit übernimmt und bespielt. Takeover machen bei der FDP bekannte Politiker, wie beispielsweise Volker Wissing, rheinland-pfälzischer Wirtschaftsminister, aber auch “normale” Wahlkampf-Mitarbeiter.

Die SPD stellt allenfalls manchmal Bilder in ihre Stories. Längere und aufwendigere Stories waren bei ihnen aber noch nicht zu sehen. Die übrigen Parteien – Grüne, Linke und auch die AfD – haben die Stories-Funktion bisher offenbar noch gar nicht für sich entdeckt.

Tipps für einen gelungene Auftritt auf Instagram

Bei allen Parteien gibt es also noch Verbesserungsbedarf bei ihrem Instagram-Auftritt. Ziemlich gut machen es schon die Unionsparteien und die Sozialdemokraten. Dagegen ist die AfD ein klarer Fall von „so nicht!“ und auch an den Grünen, der FDP und den Linken sollte man sich eher kein Beispiel nehmen.

Für eine ansprechende Präsenz auf Instagram sollten nicht nur Parteien, sondern auch Unternehmen, Verbände und Vereine folgende Punkte beachten:

  • Ästhetische, lustige oder eindrucksvolle Fotos posten, gerne Momentaufnahmen aus dem Alltag
  • Auf Storytelling setzen: Bilder posten, die eine Geschichte erzählen. Der Text dazu kann dann auch mal länger ausfallen.
  • Auf „softe“ emotionale Inhalte setzen, weniger knallharte Fakten.
  • Der Bezug zu den Kernthemen der Partei/des Unternehmens sollte dennoch offensichtlich sein.
  • Bekannte, thematische und eigene Hashtags gezielt einsetzen, um besser auffindbar zu sein, aber auch um für Wiedererkennungswert zu sorgen.
  • Die Stories-Funktion nutzen. Möglichst regelmäßig posten und dabei die typischen Instagram-Mittel einsetzen.

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Neugierig auf noch mehr Tipps?

1. Lest wie die Parteien auf Facebook auftreten und was wir davon lernen können
2. Worauf es beim Wahlkampf auf Snapchat ankommt
3. Und was das Erfolgsrezept für den Wahlkampf auf Twitter ist

 

By |2017-11-28T14:53:37+00:00September 19th, 2017|Categories: Blog (Deutsch), Politik, PR / Pressearbeit, Social Media, Wahlkampf|0 Comments

About the Author:

Marietta Gädeke M.A. ist Expertin für Kommunikation und Training. Sie studierte Anglistik, Publizistik und BWL an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz & Dijon, Frankreich. 2003 fand sie zu ihrer Leidenschaft, dem Debattieren. Zu ihren Erfolgen gehören der Sieg bei den Deutschen Debattiermeisterschaften und der zweimalige Einzug ins Viertelfinale der Weltmeisterschaften. Sie ist seit 2008 selbständig und hat sich mit ihrem Unternehmen Lilit auf strategische Empathie spezialisiert. Im Jahr 2015/16 wurde sie vom Bundeswirtschaftsministerium als Vorbildunternehmerin ausgezeichnet.

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